Die letzten Jahre haben Jugendliche besonders gefordert: Pandemie, Ukrainekrieg, Klimakrise – Krisen bestimmen ihren Alltag. Die GUCK-Hin-Studie (kurz für Generation Ukraine-Krieg Covid-19 Klimawandel) untersuchte, wie stark saarländische Jugendliche im Jahr 2022 unter diesen Belastungen litten und wie es um ihre psychische Gesundheit steht. Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt in der Zeitschrift „Kindheit und Entwicklung“ veröffentlicht. Hier eine Zusammenfassung der Ergebnisse.
Pandemie als größte Belastung
Auch nach dem Ende der Corona-Schutzmaßnahmen wurde die COVID-19-Pandemie als am belastendsten empfunden. Danach folgte der Ukrainekrieg, während die Klimakrise im Vergleich eine geringere Belastung darstellte. Wie stark eine Krise wahrgenommen wird, hängt dabei auch von ihrer medialen Präsenz ab – das kann sich im Lauf der Zeit verändern.
Die Shell Jugendstudie 2024 bestätigt diese Entwicklung: Ängste vor Krieg, wirtschaftlicher Unsicherheit und Armut stehen mittlerweile vor den Sorgen um Klima und Umwelt.
Deutlich erhöhte psychische Belastungen
Die Ergebnisse zur psychischen Gesundheit sind alarmierend: Rund 39 % der Jugendlichen zeigten klinisch auffällige Depressionssymptome, 54 % litten unter Angst. Besonders Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren berichteten von einer niedrigen Lebensqualität.
Vergleichsstudien zeigen teils geringere Werte, was unter anderem an unterschiedlichen Erhebungsmethoden liegen könnte. So schätzen Jugendliche ihre psychische Lage häufig anders ein als ihre Eltern – direkter und selbstkritischer. Auch andere Untersuchungen bestätigen: Die psychischen Belastungen sind dauerhaft hoch geblieben, selbst nach dem Ende der Lockdowns.
Wer besonders betroffen ist
Am stärksten betroffen waren ältere Jugendliche sowie jene, die sich als weiblich oder divers identifizieren. Letztere berichteten zudem von der niedrigsten Lebensqualität – sie gelten als besonders vulnerable Gruppe.
Keinen Unterschied gab es zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund. Geringfügig stärker belastet waren Schüler*innen von Gemeinschaftsschulen, allerdings ohne große Unterschiede zu anderen Schulformen.
Warum frühe Hilfe so wichtig ist
Schon vor der Pandemie gehörten Jugendliche zu einer Risikogruppe für psychische Erkrankungen. Durch die anhaltenden Krisen hat sich dieses Risiko weiter verschärft. Besonders kritisch: Erkrankungen, die im Jugendalter beginnen, können chronisch werden und sich ins Erwachsenenalter fortsetzen.
Gleichzeitig wird die psychische Gesundheitsversorgung vielerorts eingeschränkt – weniger Mittel, längere Wartezeiten, fehlende Angebote für junge Menschen. Fachleute warnen deshalb zunehmend vor einer globalen „Mental Health Crisis“ unter Jugendlichen.
Prävention als Schlüssel
Anstatt erst einzugreifen, wenn eine Krankheit ausbricht, sollten präventive Maßnahmen stärker in den Fokus rücken. Ziel ist, Risikofaktoren zu senken und Bewältigungskompetenzen zu stärken, bevor sich eine psychische Erkrankung voll entwickelt.
Besonders wirkungsvoll sind Schulprogramme zur Resilienzförderung, die Jugendliche in ihrem Alltag erreichen. Sie fördern Emotionsregulation, mentale Stärke und die Bereitschaft, Hilfe zu suchen – und könnten vor allem bei gefährdeten Gruppen entscheidend sein.
Ausblick: Dringender Handlungsbedarf
Die Ergebnisse zeigen: Mehr als zweieinhalb Jahre nach Beginn der Pandemie bleiben Angst, Depression und eine eingeschränkte Lebensqualität unter Jugendlichen alarmierend hoch. Angesichts der anhaltenden globalen Krisen ist zu erwarten, dass die psychische Belastung weiter zunimmt.
Das längsschnittliche Design der GUCK-Hin-Studie bietet künftig die Möglichkeit, genauer zu verstehen, wie Krisenerfahrungen und psychische Symptome zusammenhängen. Deutlich wird schon jetzt: Die psychische Gesundheit junger Menschen muss dauerhaft beobachtet und Schutz- sowie Risikofaktoren müssen gezielt identifiziert werden.
Um einer möglichen Chronifizierung psychischer Probleme vorzubeugen, braucht es frühzeitige Unterstützung und flächendeckende Präventionsprogramme zur Stärkung der Resilienz. Schulen spielen dabei eine zentrale Rolle – sie sind Orte, an denen junge Menschen lernen, sich auszutauschen und gesunde Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
Fazit
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Jugendliche tragen eine enorme psychische Last, auch lange nach der Pandemie. Ältere, weibliche und diverse Jugendliche sind besonders betroffen. Umso wichtiger ist es, ihre psychische Gesundheit frühzeitig zu stärken – durch Prävention, Aufklärung und besser erreichbare Hilfsangebote. Nur so lässt sich verhindern, dass aus kurzfristigen Krisen dauerhafte seelische Belastungen werden.